Bildtitel Knstler

Brennende Gelborange-Töne, glühendes Rot und Neonmagenta, begleitet von einer kühl weißen Aura, die sich wie ein leuchtender Nebel um die Motive legt, kontrastiert von tiefem Blau und Nachtschwarz: Das sind die Protagonisten der Malerei von Ekkehard Tischendorf. Sie drängen aus dem Bild, sprengen dessen Dimensionen und etablieren ihren eigenen Kosmos mit seinen fremd und zugleich verführerisch gleißenden Aussichten auf weite Landschaften und Ansichten von merkwürdig beunruhigenden Wesen. In ihrer Andersartigkeit sind sie aus der Malerei erwachsen und fordern uns auf, ihre Anatomie aus frei und gestisch gleitenden Pinselstrichen sowie streng konturierten Grenzen zu erkunden.
Tischendorfs Malerei explodiert förmlich wenn sich die Farbe emphatisch auf der Leinwand entlädt. Formaler Gegenspieler, der – gerade weil er diese Kraft zu bändigen sucht – ihre Wirkung erhöht, ist ein Spektrum kühler Tonwerte: Blau, Grau und insbesondere Weiß bedecken Flächen und schließen sie ab. Gerakelte Strukturen, scharf gezeichnete geometrische Formen und Raster bilden Rahmen, in deren Mitte sich Sehnsuchtsbilder entfalten. Allzu grell geschminkte Schönheiten, fast maskenhaft, mit leuchtenden Augen und manchmal einer ins Karikaturhafte gesteigerten Physiognomie treten uns entgegen. Ikonen der Popkultur ziehen die Aufmerksamkeit auf sich mit einem Glanz, der auch in der Geschmeidigkeit dieser Malerei reflektiert wird. Tischendorf entfaltet ein reichhaltiges Spiel malerischer Mittel: Er sprüht und spritzt, wischt weg; er trägt Farbe flüssig auf und setzt pastos Akzente, schärft Konturen indem er sie abklebt. Durch ein spezielles Verfahren, eine Verbindung von Acrylspray und Ölfarbe erreicht er eine Oberflächenstruktur, die weich und zugleich angegriffen und aufgebrochen erscheint.
Die Neugier, mit der er die technischen Möglichkeiten der Malerei erkundet, hat eine erotische Komponente. Es ist, als wäre die Malerei bedacht, einen Körper zu erkunden, sensible Zonen mit exquisiten Reizen zu stimulieren. Diese Leidenschaft im Umgang mit dem Medium vermittelt sich körperlich in den malerischen Details, aber auch durch die räumliche Erstreckung der Bilder, die zum Teil auch auf Grund ihrer Größe Panoramen entfalten, die eine eigene Welt aufspannen.

Ekkehard Tischendorf wurde 1976 in Dresden geboren. Nach Tätigkeiten im Bereich der Restaurierung hat er 1998 bis 2003 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Malerei in der Klasse von Arno Rink studiert. Mit seinem Professor verbindet ihn eine Begeisterung für die weibliche Erotik, die sich im Malprozess entfaltet, aber bei Tischendorf weniger auf den Akt als auf weibliche Inszenierungsformen gerichtet ist. Im Rahmen eines Aufbausemesters 2003/2004 bei Rolf Münzner kommt er auch in Berührung mit dessen geheimnisvoller Lichtregie. Tischendorfs Arbeiten waren unter anderem in Einzelausstellungen der Galerie Terminus in München, der Galerie Levy und der Evelyn Drewes Galerie in Hamburg, so wie international der Galerie Rätus Casty in Davos. Der Künstler lebt und arbeitet in Dresden und Wien.




"Paradise Frontier (Ausschnitt)"
2015
Öl, Acryl auf LW
170 x 200 cm

Fotograf
© Ekkehard Tischendorf

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